«Im Leben ist nicht immer alles schön»

«Im Leben ist nicht immer alles schön»

Laura Frei aus Kaltbrunn hat ihre Maturaarbeit der Taxidermie, dem Präparieren von Tieren, gewidmet. Ihre Arbeit wurde prämiert. Wer ist Laura Frei und was bringt eine 21-Jährige auf dieses Thema?


«Ich wollte für meine Maturaarbeit ein Thema wählen, das mit meinen Interessen zu tun hat. Ich mag Tiere, besuche das Schwerpunktfach Kunst und möchte nach der Kanti Rechtsmedizinerin werden», sagt Laura Frei. Auf Taxidermie kam sie nicht mal bewusst, sagt sie, tummelte sich aber als Kind schon gerne in zoologischen Museen. «Wieso also sollte ich nicht selbst einmal ein Tier ausstopfen?», fragte sich Frei.

«Ich mag tote und lebendige Tiere» 

Freis Hände liegen ruhig auf dem Tisch, ihre Worte wählt sie mit Bedacht. Bevor sie spricht, denkt sie nach. Der Hund der Familie schnarcht leise auf dem Sofa neben dem Kamin. Sie liebt Tiere. Bei ihr Zuhause gibt es noch zwei Katzen, draussen laufen Hühner frei herum. Die Familie lebt abgelegen, eine Landstrasse führt zum Grundstück. In der Scheune stehen die drei ausgestopften Tiere. Ein Fuchs und zwei Marder. Trotz ihrer Tierliebe hat sie welche präpariert. Das fanden einige in ihrer Klasse erst einmal seltsam. «Auch meine Eltern waren zuerst schockiert. Aber ich mag tote und lebendige Tiere. Ich könnte selbst nie eines umbringen. Aber ist eines schon tot, fände ich es schade, wenn man es einfach wegwirft. So ist es nicht verschwendet», sagt Frei.

Ein Hang zum Makaberen 

Armbänder zieren das Handgelenk der jungen Frau, ihre Haare sind unten Türkis gefärbt, sie trägt einen Ohrring. Sie ist dünn, wirkt fast etwas zerbrechlich, ist aber selbstsicher in ihrem Auftreten. Schnell merkt man, dass sie weiss, was sie möchte. Von sich selbst sagt sie, dass sie nicht in eine Schublade reinpassen wolle und dass sie einen Hang zum Makaberen habe. Sie möchte als nächstes eine menschliche Hand präparieren, die Knochen so ausrichten, dass sie eine Rose halten können. Einige Herzen von Tieren werden bald eingelegt und zum Nasspräparat gemacht. «Meine Familie und Freunde kennen mich nicht anders. Deshalb wundert es auch kaum jemanden, dass ich in die Rechtsmedizin möchte», sagt Frei. Sie meint, es interessiere sie, wie viel ein menschlicher Körper aushalten kann, bis er aufgebe. Das Blutige und Kriminelle, das hinter der Rechtsmedizin steckt, fasziniere sie zusätzlich.  «Im Leben ist nicht immer alles schön. Deshalb richte ich lieber den Blick direkt darauf», sagt Frei.

Authentisch und unverfälscht 

Für eine 21-jährige Frau scheinen solche Interessen nicht unbedingt üblich. Und doch ist es authentisch, echt und unverfälscht. Sie versucht nicht, etwas darzustellen, sie ist, wie sie sich gibt. In ihrer Freizeit zeichnet sie, mag die Kunst, mittlerweile auch die Taxidermie. «Ich bin seither immer auf der Suche nach Tieren, die ich ausstopfen kann», sagt sie. Das Nichtstun liebt sie ebenso, wie das Arbeiten mit den Händen. Es gibt aber auch Dinge, die sie stören. «Über gewisse politische Umstände und die Menschheit rege ich mich öfter auf. Ich bin nicht wirklich eine Menschenfreundin», sagt Frei.

Publiziert in der See & Gaster Zeitung am 15. März 2017

http://toggi.zehnder.ch/eweb/toggi/2017/03/15/sega/28/