«Ich habe keine schöne Stimme, aber ich erhebe sie»
Die Rechte des Menschen werden nicht überall auf der Welt respektiert. Es gibt Krieg, Ausbeutung, Menschenhandel und Rassismus. Darüber zu diskutieren und sich zu überlegen, was man tun kann, ist wichtig.
So sehen das auch die drei Kanti-Schülerinnen Mia Ackermann, Rahel Koller und Jael Allenspach. Sie haben am Donnerstagabend den Menschenrechtsslam im Talhof St.Gallen organisiert. «In Philosophie behandelten wir das Thema Menschenrecht. Dazu sollten wir ein Projekt realisieren. Uns war wichtig, dass es etwas cooles ist, von dem nicht nur wir und die Klasse etwas haben und das nicht nur auf dem Papier festgehalten wird. Deshalb haben wir einen Poetry Slam zum Thema auf die Beine gestellt», sagt Mia Ackermann, die selbst Slammerin ist. Den drei jungen Frauen war wichtig, eine Message rüberzubringen, dass es – auch wenn es ein Schulprojekt war – bei Schülerinnen und Schülern sowie bei Leuten ausserhalb des Klassenzimmers ankommt. «Das Thema Menschenrecht ist heute aktueller und wichtiger denn je und es liegt uns sehr am Herzen», sagt Ackermann.
„Sind Menschen noch Menschen?“
Der Talhof ist gut gefüllt, rund 50 Besucherinnen und Besucher sind gekommen, um den sechs Slamern Mario Rütsche, Sebastian Oppitz, Tuwa Stettler, Lillemor Kausch, Etrit Hasler und Mia Ackermann zu lauschen. Poetry-Slam ist locker und ernsthaft, gleichermassenn humorvoll wie gefühlvoll. An diesem Abend haben aber alle Texte eines gemeinsam. Es geht um das Recht der Menschen und darum, dass viele der oberen Schicht oder andere Machthaber dieses Recht mit Füssen treten. Einige der Slammer sind noch sehr jung und haben sich in ihren Texten Gedanken gemacht, die manch ein Erwachsener nicht einmal im Traum hat – reif, ernst und aufrüttelnd. «Sind Menschen überhaupt noch Menschen?», fragt sich Sebastian Oppitz. Er spricht davon, dass wir unachtsam und stets in Eile durch den Alltag hasten und das Wesentliche dabei nicht mehr sehen. Er redet von Licht und Schatten und davon, was der Krieg in Syrien anrichtet. «Wir saufen und sie laufen, wir stossen an und sie müssen flüchten.» Man reflektiert plötzlich – hat man doch selbst grad ein Bier in der Hand.
„Baut Brücken, keine Mauern“
Tuwa aus Bern redet über die Populisten, die denken, sie seien das Volk. Die Wutbürger, die die Demokratie im Sinne ihrer Ansichten gestalten wollen: «Vielfalt ja gerne, aber bitte nur im Rahmen unserer christlichen Kultur, Minarett nein danke!“ Das sei heuchlerisch. Der Mensch lerne nicht aus der Geschichte. Doch Tuwa ist sicher: «Egal wie Volk Sie sind, wir sich Völker der Erde.» In den Texten geht es um Ungewissheit, um Fragen an die Zukunft, Flucht und die Schattenseiten der Grenzen in Poesie gepackt. «Werden wir wieder Mensch? Überstehen wir die Krise oder gehen wir im Hass unter? Baut Brücken, keine Mauern!», meint Mario Rütsche. Aktueller könnten die Themen kaum sein. Selbst wenn man sich ständig Gedanken über den Zustand der Welt macht, fand man am Menschenrechtsslam Inspiration.
„Ich habe keine schöne Stimme, aber ich erhebe sie“
Etrit Hasler findet, es gibt das freie Wort und die Freiheit der Satire, doch es gäbe klare Grenzen. Humor dürfe sein, doch man überschreite oft die Schmerzgrenze, auch wenn man über alle Ethnien und Arten von Menschen herziehe. «Ich habe die Welt bereist. Und in keinem Land habe ich Rassen und Völker gesehen, sondern immer nur Menschen. Die meisten Menschen sind zwar Idioten und Arschlöcher, aber immer: Menschen». Für Mia Ackermann ist die Gleichstellung wichtig. Doch nicht nur die Gleichstellung von Mann und Frau sondern die aller Menschen – egal ob es um Sexualität, Herkunft oder Geschlecht gehe. «Ich bin für gleiche Rechte und Pflichten für alle Schichten, für jeden Mensch. Erst wenn das geschieht, können wir auf der gleichen Tanzfläche tanzen. Ich will Gleichstellung gross schreiben, aber nicht weil es ein Nomen ist! Ich habe keine schöne Stimme, aber ich erhebe sie!», liest Ackermann. Die Zuschauerinnen und Zuschauer sind begeistert vom Anlass, ebenso die Organisatorinnen. «Wir sind sehr zufrieden, wie alles gelaufen ist. Im Vorfeld waren wir sehr nervös, jetzt unglaublich froh», sagt Ackermann.
