Der Wert des Schweigens
Das Haus der Stille ist ein Ort, den Menschen aufsuchen, um sich schweigend wieder ein Stück näher zu kommen. Geleitet wird das Haus im 17. Jahr von Schwester Paula Gasser und Schwester Vreni Büchel. Altersbedingt hören die beiden im Sommer auf. Die Nachfolge dürfte gewährleistet sein.
St. Peterzell Der Boden knarzt, es riecht nach Holz und sobald man im Haus ist, scheint man zur Ruhe zu kommen. «Uns ist wichtig, dass das Haus von jemandem übernommen wird, der genauso daran interessiert ist, den Menschen zu helfen», sagt Paula Gasser. Dass die beiden aufhören, stimmt viele traurig. «Für uns war klar, das wir jetzt aufhören und unseren Ruhestand geniessen möchten. Deshalb haben wir uns viel Zeit genommen, uns um die Nachfolge zu kümmern. Der nahtlose Übergang ist wichtig», sagt Gasser. Drei sind in der engeren Auswahl, entschieden wird schon bald.
Der erste Tag ist anstrengend
Als die beiden anfingen, war das Haus renovierungsbedürftig. Dennoch haben sie gleich die ersten Gäste empfangen, nach und nach entrümpelt, renoviert und das Haus zu einem Ort der Harmonie gemacht. Es gibt fünf Gästezimmer, einen Meditationsraum und die Küche. Die Menzingerschwestern leben im anderen Teil des Hauses. Es gibt verschiedene Kurse. Einzelexerzitien, fasten und meditieren und gemeinsame stille Tage. Einmal am Tag gibt es ein Einzelgespräch. Ansonsten wird die gesamte Woche geschwiegen. «Nach zwei Tagen hat man sich daran gewöhnt und merkt, wie man kommuniziert, ohne etwas zu sagen. Man findet auf diese Weise viele Antworten», sagt Büchel. Die beiden sagen, in der Alltagshektik ginge die innere Stimme unter, wenn man ihr keinen Raum gebe. Das Angebot werde intensiver genutzt, als noch vor einigen Jahren. Spiritualität und zu sich finden spielen dabei die grösste Rolle.
Aus dem ganzen Deutschsprachigen Raum reisen Gäste an. Doch was suchen sie, wenn sie zum Haus der Stille gelangen? «Zu uns kommen Menschen aus allen Gesellschaftsschichten. Viele von ihnen sind energietechnisch am Anschlag und suchen Ruhe», sagt Gasser. Im Haus der Stille kann man auftanken und lernen, dass Stille heilen kann. Es gäbe auch solche, de ihre Schmerzgrenze längst überschritten hätten und mit so viel Stille überfordert seien. «Dann ist es nicht das Richtige», so Büchel.
«Wir sind dankbar»
So nahe mit den Gästen zu leben, schränkt die Privatsphäre der Schwestern etwas ein. «Wir machen das liebend gern, müssen aber auch gut auf uns achten. Sonst können wir den Gästen nichts geben. Wir hatten aber meist ein gutes Gleichgewicht», betonen sie. Es fällt den beiden nicht leicht, das Haus zu verlassen, freuen sich aber auch auf den Ruhestand. «Wir hoffen, dass die Menschen hier auch in Zukunft immer noch Ruhe und Frieden finden», so Büchel und Gasser. Sie sagen, sie hätten in all der Zeit vieles über Menschen und das eigene Leben gelernt. «Das ist sehr wertvoll und wir sind dankbar», sagen die zwei. Ihre Wege werden sich auch danach nicht trennen. Beide werden weiterhin unter einem Dach leben.
