«Alles, was wir wollen, ist Frieden»

«Alles, was wir wollen, ist Frieden»

Die Geschichte eines Flüchtlings von Pakistan in die Schweiz: der junge Mann wurde in Afghanistan geboren und lebte einige Jahre in Pakistan. Dann musste er vor dem Krieg fliehen und kam nach Europa.


Geboren wurde der 18-Jährige (Name der Redaktion bekannt) in Afghanistan. Gelebt und gearbeitet hat er von 2007 bis 2011 in Pakistan, dem Nachbarland. Er sagt, Viele, die aus Afghanistan stammen, arbeiten und leben ausserhalb. «In Pakistan hatte ich allerdings keine Papiere mehr, da sie mir abgenommen wurden ständig hatte ich Angst, von der Polizei kontrolliert zu werden und mich nicht ausweisen zu können», erzählt der Afghane. Geflüchtet ist er, da der Krieg in beiden Ländern tobte und die Taliban aufgrund eines innerafghanischen Bürgerkrieges die Kontrolle über Afghanistan übernahmen. Sie wurden 2001 durch eine Intervention gestürzt, danach entstand eine demokratisch legitimierte Regierung. Doch die Führungsebene der Taliban führt seit dem Jahr 2003 einen Aufstand gegen die afghanische Regierung.

«Die Gefahr, erschossen zu werden, war gross»

«Bomben und Raketen gehörten zum Alltag. Es ging nicht, in diesem Land zu bleiben. Es gab keine Zukunft. Ich entschloss mich zu fliehen», sagt er. Nun ist er seit drei Monaten in der Schweiz und hofft auf einen positiven Entscheid seitens der Regierung. Mit anderen Menschen, die ebenfalls flohen, führte seine lange und gefährliche Reise von Pakistan über die Türkei, nach Griechenland, Mazedonien und Ungarn. Grösstenteils waren er und die rund hundert anderen Flüchtlinge zu Fuss und mit Autos unterwegs. Auf der Reise mussten sie einen Berg erklimmen und hatten immer die Angst im Nacken sitzen. «Wann immer wir eine Grenze erreichten wurde es sehr gefährlich. In jedem Land waren wir illegale Einwanderer. Die Gefahr, erschossen oder inhaftiert zu werden, war gross», sagt er. Der Jugendliche sagt, all die Menschen wie auch er wollen nicht fliehen, doch solange kein Frieden herrscht, wird es so weitergehen. «Der Krieg zwingt uns dazu. Alles, was wir uns wünschen, ist Frieden.»

«Ich habe Angst, dass ich zurück nach Ungarn muss»

Nach Monaten der gefährlichen und schwierigen Reise war er für eine Weile in Ungarn, bevor er die Schweiz erreichte. «Ich war so froh und dankbar, dass ich es geschafft hatte. Nach all dem Krieg und der strapaziösen Reise bin ich glücklich, in einem Land zu sein, in dem Frieden herrscht. Die Menschen, die hier im Asylzentrum arbeiten, haben mich sehr freundlich aufgenommen», sagt der Asylsuchende. Er sagt, er fände es nicht schwer, sich hier einzugewöhnen. Er habe hier auch schon einige Freunde gefunden. Nur manchmal täte er sich schwer mit sich selbst. «Ich habe Angst, dass ich nach Ungarn zurück muss. Das kann gut sein, denn dort bin ich zuerst eingereist. Die Entscheidung des Bundes steht aber noch aus. Ich hoffe sehr, hier bleiben zu können. Ich fühle mich wohl hier», sagt der junge Mann.

«Ich habe Kontakt mit meinem kleinen Bruder»

Familie und Freunde von Zuhause hat er keine in der Schweiz. Seine Eltern sind schon verstorben, sein kleiner achtjähriger Bruder lebt bei Verwandten in Pakistan. «Ich telefoniere ab und zu mit ihm. Er ist bei einer Familie, die sich um ihn kümmert und ihn zur Schule schickt. Dafür zahle ich ihnen etwas. Es geht ihm soweit gut», sagt er. Für ihn ist klar, dass er hier das neue Leben starten möchte. Deshalb will er so schnell wie möglich die Sprache beherrschen. Er weiss, ohne die Deutschkenntnisse, hat er keine Chance auf eine Ausbildung oder einen Job. «Es ist schwer, die Sprache zu lernen, aber es geht immer besser.» Er wünscht sich, in der Schweiz zu studieren, arbeiten zu können und wenn alles nach Plan läuft irgendwann ein eigenes Geschäft eröffnen zu können. «Wir werden sehen, was noch alles passiert. Ich möchte in die Zukunft schauen und nicht in der Vergangenheit leben», sagt er und lächelt.

Publikation: Bodensee Nachrichten