«Man darf mich gerne kritisieren»

«Man darf mich gerne kritisieren»

John Stutz, Künstler aus Rorschach, hat das Handtuch geworfen: sein Kunstwerk, der Glockenstuhl, wurde abtransportiert.


«Die Stadt hat mir die Bewilligung, die bis Ende August gültig gewesen wäre, entzogen trotz Expertise und zahlreichen Anpassungen an den Glocken», sagt John Stutz. Seit Wochen war ein Streit um den Glockenstuhl im Gange. «Ein Anwohner hat sich beschwert, dass es zu laut sei und er nicht schlafen könne. Wir haben sogar Messungen gemacht und nicht ein einziges gesetzeswidriges Dezibel wurde auf Höhe seiner Wohnung gemessen. Ich bin der Einzige, der in unmittelbarer Nähe zum Glockenstuhl wohnte. Ich bin nie wach geworden davon. Auch die Gäste des Hotel Mozart haben sich nie beschwert», so Stutz. Nun ist er den Forderungen der Stadt Rorschach nachgekommen und hat seinen Glockenstuhl abholen lassen. Nun steht dieser auf dem Saurer Areal in Arbon. Bis Ende August hätte das Kunstwerk in Rorschach bleiben sollen. «Ich wollte etwas machen, an dem die Leute Freude haben. Gerade für Kinder war es toll, Töne zu erzeugen», sagt Stutz. Vor zwei Monaten war der Glockenstuhl tatsächlich zu laut, Stutz hat deshalb Änderungen vornehmen lassen, um die Lautstärke auf ein für die Umgebung erträgliches Mass anzupassen. «Ich wollte ja nie jemanden stören damit. Aber noch leiser wäre nicht gegangen, dann wäre es ja nicht mehr um den Sinn der Sache gegangen», betont er.

«Ich mache nie wieder was für Rorschach»

Er sagt, er hätte wohl vor Gericht gehen können, um den Entzug der Bewilligung anzufechten. «Wir haben extra eine Expertise erstellen lassen, um uns abzusichern. Aber ehrlich gesagt ist es mir zu blöd, wegen meinem Problem mit der Stadt vor Gericht zu gehen, wenn das Urteil nicht vor Ende des Jahres zu erwarten gewesen wäre. So habe ich wohl eine Menge Geld gespart und mir den Ärger erspart. Ich habe aufgegeben! Die Stadt macht zwar viel Gutes, aber in meinen Augen war das alles sehr unprofessionell und willkürlich. Ich werde nie wieder etwas für Rorschach tun», bekräftigt der Künstler aus der Hafenstadt. Am vergangenen Freitag versammelten sich einige Leute auf dem Platz, wo der Glockenstuhl stand und man hörte Unverständnis heraus. «Also ich finde das eine Frechheit. Das ist doch Kunst und keine Lärmbelästigung», sagte eine Frau. Stutz machte seinem Ärger ebenso Luft. Von einem Gebäude rief ein anderer herunter, es sei recht, dass ‚dieses Ding‘ wegkomme. «Man darf mich gerne kritisieren, denn in der Kunst gibt es keine Regeln. Und Kritik braucht es auch», meint Stutz. Im September findet in Arbon das Klangfestival statt, wo dann der Glockenstuhl wieder zum Einsatz kommen kann. Bis dahin hat das Generalunternehmen HRS auf dem Saurer Areal ihm den Platz kostenlos zur Verfügung gestellt.

 

Publikation: Bodensee Nachrichten